Wie werde ich Segelflieger?
Segelflieger zu werden ist nicht schwer, das Aufhören dagegen sehr. An diesem zugegebenermaßen etwas hinkenden Spruch ist viel Wahres dran. Im Verein gibt es viele, die zunächst noch etwas schüchtern das Segelfliegen nur mal kurz kennenlernen wollten, aber wenige Wochen später sind sie aus dem Flieger nicht mehr rauszukriegen.
Es gibt zwei Möglichkeiten, bei uns anzufangen: in Wochenendschulung oder in einem unserer Kurse. Wir führen jedes Jahr im Sommer zwei jeweils zweiwöchige Kurse durch, in denen das Segelfliegen erlernt werden kann. Mehr Details erfahrt Ihr auf unserer Kurs-Seite. Wer zu unseren Kursterminen keine Zeit hat, oder nicht auf den Sommer warten will, kann einfach an Wochenenden auf den Flugplatz kommen - ein Fluglehrer ist immer vor Ort. Der Schüler kann selber entscheiden, wie oft er dieses Angebot nutzt, zum "Vorwärtskommen" empfiehlt es sich aber, mindestens jedes dritte oder auch jedes zweite Wochenende zu fliegen.
Mit der Flugschulung anfangen darf jeder über 14 Jahre (eine Voraussetzung, die Studenten üblicherweise erfüllen). Aus technischen Gründen müssen sich Größe und Gewicht des Piloten in üblichen Grenzen halten (zarte StudentInnen polstern wir mit Bleikissen). Spätestens vor dem ersten Alleinflug mußt Du Dich von einem Fliegerarzt auf Deine Tauglichkeit untersuchen lassen. Neben einem Sehtest, der etwas gründlicher ausfällt als für den Führerschein, wirst Du ein wenig durchgecheckt, was im Normalfall auch problemlos ist.
Als Segelflugschüler braucht man keine theoretischen oder praktischen Kenntnisse. Nach einer kurzen Einführung am Boden kann man sich sofort mit einem Fluglehrer in ein Flugzeug setzen und abheben. Während der ersten Flüge erlernt man die Wirkung der Ruder, mit denen man sich schnell zurechtfindet. Mit der Zeit übernimmt der Schüler mehr und mehr Phasen des Fluges selber, bis er schon quasi alleine fliegt.
Teil der Grundausbildung sind einfache Flugmanöver, aber auch mögliche Gefahrenzustände und deren Vermeidung. Manche Schüler werden schon grün, wenn man ihnen von Trudelübungen erzählt, doch das ist nicht so schlimm wie es sich anhört. Da Ihr die Manöver selber durchführt, und nicht einfach nur wie in der Achterbahn passiv mitgerissen werdet, sind Auswirkungen auch auf empfindliche Mägen gering.
Nach üblicherweise ca. 50 bis 60 Flügen ist es dann soweit, daß Du schon mehrere Flüge ohne Eingriff des Fluglehrers bewältigt hast. Nach einer Überprüfung durch einen zweiten Fluglehrer darfst Du dann das erste Mal alleine fliegen, der Platz hinter Dir ist dann leer. Nach ein paar Alleinflügen auf dem Doppelsitzer erhältst Du eine kurze Einweisung in die Ka 8, ein einsitziges Holzflugzeug, und darfst Dich dann schon fast frei alleine durch die Lüfte bewegen.
In den folgenden Wochen und Monaten wirst Du das Fluggerät immer besser kennenlernen und mit ein bißchen Glück auch schon längere Flüge in der Umgebung des Flugplatzes durchführen. Aber immer wieder wird ein Fluglehrer bei Dir einsteigen, und Du wirst immer neue Aspekte kennenlernen, wie zum Beispiel die Startart F-Schlepp, das richtige Verhalten im Thermikflug und schließlich auch Navigationsflüge über die Flugplatzumgebung hinaus, mit Landungen auf benachbarten Plätzen.
Bislang wurde nur von der Praxis des Fliegens erzählt, und tatsächlich brauchst Du bis zu diesem Punkt auch (fast) kein theoretisches Hintergrundwissen - das, was Du unbedingt brauchst, lernst Du beim Fliegen selber. Doch spätestens an diesem Punkt ist die Saison leider vorbei. Im Winter schieben wir unsere Flieger in die Werkstatt (in Frankfurt an der Sportuni), wo sie gründlich überholt und durchgecheckt werden. Parallel dazu findet theoretischer Unterricht in den fünf Fächern "Technik", "Meteorologie", "Navigation", "Luftrecht" und "Verhalten in besonderen Fällen" statt. Im Anschluß an den Unterricht findet dann ein Funkkurs statt, in dem das "Beschränkt gültige Zeugnis für den Sprechverkehr im Flugfunkdienst" (BZF) erworben werden kann.
Sind irgendwann alle Voraussetzungen erfüllt - genügend Flugerfahrung, theoretische Ausbildung und erworbenes Sprechfunkzeugnis, so kannst Du anfangen, Dich auf die Prüfung zum Luftfahrerschein vorzubereiten. Das läuft dann ähnlich wie bei einer Führerscheinprüfung: in einer theoretischen Prüfung mußt Du mindestens 85% aller Fragen richtig beantworten, und anschließend führst Du drei Prüfungsflüge mit einem Flugprüfer durch.
Üblicherweise dauert die Ausbildung zum fertigen "Pilotenschein" (Private Pilot's License, Beiblatt C, PPL-C) um die zwei Jahre. Man kann es durchaus auch in einem Jahr schaffen, aber sei gewarnt, dann wird Fliegen wirklich zu einem Vollzeitjob, und Du solltest fast jedes Wochenende vor Ort sein.
Andererseits ist der "Schein" auch kein unbedingtes Muß, da Du mit genügend Erfahrung auch ohne Schein alleine fliegen darfst, aber eben unter den Einschränkungen, daß Du in der Umgebung des Platzes bleiben und in Funkkontakt mit einem Fluglehrer stehen mußt. Und ohne Schein darfst Du keine Passagierflüge durchführen. Wir haben im Verein viele Mitglieder, die technisch gesehen "Schüler" sind, denen aber die Prüfung "zu viel Aufwand" ist, und die auch ohne Schein Spaß am Fliegen haben.



